Kartenspiele

Kartenspiele

Spielkarten wurden wahrscheinlich in Ostasien erfunden und gelangten im Spätmittelalter nach Europa. Bezeichnenderweise lässt ihre Verwendung dort durch erste Verbote im 14. Jahrhundert nachweisen. Spielkarten erfreuten sich bald in ganz Europa großer Popularität. Allerdings gab es bald die üblichen Probleme wie Streit beim Spiel oder dass manche durch Spielschulden in den Ruin getrieben wurden.

Bei den künstlerischen Darstellungen lässt sich deshalb bald ein grundlegender Dualismus beobachten. Einerseits ist das Kartenspiel ein angenehmer Zeitvertreib, dem sich Menschen aus allen Schichten und Völkern widmeten; vom hohen Adel, über Mönche, Bauern, Soldaten und sogar Frauen. Andererseits galt das Spiel als böses, manchmal sogar teuflisches Laster, das zu Ruin, Mord und Totschlag führen konnte.




Renaissance

Die Kartenspieler von dem niederländischen Maler Lucas van Leyden (1494-1533 in Leiden). Eine Frau spielt mit zwei Männern und flirtet deutlich mit dem jüngeren, was wiederum dem älteren deutlich missfällt.

Streit und Gewalt sind somit schon angelegt.




Barock

Die Kartenspieler von dem flämischen Maler Théodore Rombouts (1597-1637). Ein typisches Genrebild des Barock. Soldaten spielen in einer Kneipe. Rombouts lebte lange in Florenz und Rom, wo er stark von Caravaggio beeinflusst wurde.




Betrügereien

Der Betrug beim Glücksspiel ist sicher so alt wie diese selbst. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich vor allem Künstler, die einen realistische Szenen darstellen wollten, immer wieder damit beschäftigt haben.

Die Falschspieler (um 1594) von dem italienischen Barockmaler Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610). Caravaggio war berühmt für seine realistischen von Alltagssituationen beeinflussten Bilder. Hier betrügen zwei einen dritten beim Kartenspiel. Während einer eine Karte hinten aus dem Gürtel zieht, gibt ihm sein Freund heimliche Zeichen, was der andere auf der Hand hat.


Soldaten spielen Karten und Würfel (ca. 1620/1622) von dem französischen Barockmaler Valentin de Boulogne (ca.1594-1632). Während eines längeren Italienaufenthalts wurde Boulogne stark von Caravaggios Kunst beeinflusst, was an diesem Bild sehr gut zu sehen ist. Auch hier verrät ein Betrüger seinem Partner durch Handzeichen, was ihr Opfer für Karten hat.




Die niederländische Genremalerei

Im flämisch/niederländischen Barock waren Szenen aus dem Leben des einfachen Volkes äußerst populär. Sehr beliebt waren Bauern und auch Soldaten, die soffen, rauchten, sich stritten und eben auch Karten spielten. Es sind durch und durch einfache, geradezu primitive Gesellen, die sich mit Leib und Seele einfachen Genüssen hingeben.

Bauern beim Kartenspiel von dem flämischen Maler Adriaen Brouwer (1605- 1638).


Streit beim Kartenspiel ebenfalls von Adriaen Brouwer.

Brouwer malte fast nur Szenen aus dem Bauern- und Wirtshausleben, Bauerntänze, Kartenspieler, Raucher, Trinker und Schlägereien, welche sich durch eine große Lebendigkeit der Charakteristik. Manchmal übersteigerte er das Dargestellte sogar bis zur Karikatur.


Wirtshausszene (1658) von dem flämischer Maler David Teniers (1610-1690). Auch hier trinken, rauchen und spielen die Bauern. Die Szene ähnelt der von Brouwer, wenn ihr auch etwas von der animalischen Wildheit fehlt.


Bauern beim Kartenspiel von dem niederländischen Maler Norbert van Bloemen (1670-1746). Auch hier das Kartenspiel als eine der kleinen Freuden des einfachen Mannes.




Rokoko

Die Kartenspieler (1777-78) von dem spanischen Maler Francisco de Goya (1746-1828). Eindeutig ein frühes aus der Phase als er sich noch als Hofmaler zu etablieren versuchte. Eine idyllische Szene adrett gekleideter Menschen, die sich einen Nachmittag lang die Zeit vertreiben. Das Kartenspiel hat hier absolut nichts Negatives; es ist einfach eine Art der Unterhaltung.




Die amerikanischen Realisten

In den Vereinigten Staaten kopierte man zwar lange die Kunstströmungen des alten Europa. Daneben entwickelte sich jedoch langsam eine eigenständige Sicht der Welt, die stark von dem weiten, wilden Land und der Pioniergesellschaft geprägt wurde. Wie jeder weiß, spielte das Glücksspiel im so genannten "Wilden Westen" ein bedeutende Rolle. Viel wichtiger war jedoch, dass es hier - ähnlich wie bei den flämischen Genremalern - nun als fester Bestandteil zum Alltag gehörte.

Flößer spielen Karten von dem amerikanischen Maler George Caleb Bingham (1811-1879). Bingham zeigt hier eine absolut undramatische Alltagssituation. Die Flößer haben wenig zu tun und vertreiben sich die Zeit während der langsamen Fahrt mit einem Spiel.


Spielen um den Hirsch von dem amerikanischen Maler John Mix Stanley (1814-1872). Das erstaunliche dieses Bildes ist, dass hier Indianer in vollem Schmuck um die erlegte Jagdbeute spielen. Dabei verhalten sie sich aber wie alle gewöhnlichen Amerikaner. Das heißt die anfangs exotische Situation wird durch den Akt des Kartenspiels völlig normalisiert.




Genremalerei

Ein typisches Genrebild des 19. Jahrhunderts von einem T. Golwig. Drei Männer spielen in bester Biedermeiermanier Karten und trinken dazu ein Gläschen. Alles Üble was Bildern dieser Art einmal anhaftete ist hier zu einem puren, netten Zeitvertreib geworden.


Jungen beim Kartenspiel von dem Italiener Giulio del Torre (Italian, 1856-1932). Im Laufe des Jahrhunderts wurde die Genremalerei immer kitschiger. Feurige Zigeunerinnen, Mädchen beim Wasserholen waren sehr beliebt, oder eben Kinder beim Kartenspiel. Dennoch hat das Spiel hier etwas vollkommen Natürliches.




Historienmalerei

Die Historienmalerei war eine der beliebtesten Kunstgattungen des 19. Jahrhunderts. Neben glorreichen Ereignissen der nationalen Geschichte wurden auch idyllische Szenen aus der guten, alten Zeit immer beliebter. Diese idealisierten Alltagsszenen orientierten sich stark an der niederländischen Genremalerei, deshalb trifft man auch hier auch gerne auf zechende und spielende Soldaten, Kleriker und Bauern. Allerdings ist das Ambiente normalerweise ein wenig dramatischer, glatter, konstruierter eben.

Das Ende eines Kartenspiels (1856) von dem französischen Maler Jean-Louis-Ernest Meissonier (1815-1891). Meissonier war einer der bedeutendsten Historienmaler seiner Zeit und ein Meister kleiner realistischer Details. Hier zeigt er das hoch dramatische Ende eines Kartenspiels im 17. Jahrhunderts.


Ein Kartenspiel (1877) von dem französischen Maler Adolphe Alexandre Lesrel (1839-1929). Lesrel war ein Historienmaler, der sich aber auch bevorzugt der Genremalerei in historischem Kostüm widmete. Auch hier ist absolut nichts Wildes oder Verworfenes zu erkennen, einfach die gute alte Zeit in ihrem schönsten Kostüm.


Offiziere spielen Karten (1901) von dem spanischen Maler Maximo Juderías Caballero (1867-1951). Caballero war eigentlich auch ein Meister des Fachs. Dennoch war er mit seinen Bildern eine Generation zu spät. Er malte immer noch die schönen historisierenden Genrebilder als diese längst als Kitsch galten.




Impressionismus

Mary Cassatt beim Kartenspielen (1880) von dem französischen Impressionisten Edgar Degas (1834-1917). Mary Cassatt war eine amerikanische Künstlerin und gute Freundin von Degas. Er zeigt sie hier in einer banalen Alltagsszene.


Die Kartenspieler (ca.1890) von dem französischen Impressionisten Paul Cézanne (1839-1906). Auch Cézanne zeigt hier eine völlig normale Alltagssituation. Männer beim Kartenspiel, ohne Drama oder süßen Kitsch.




Die Moderne

Skatspieler (1920) von dem deutschen Maler Wilhelm Heinrich Otto Dix (1891-1969). Dix zeigt hier Veteranen des Ersten Weltkriegs, die in einem Café das tun, was Soldaten schon immer getan haben: Karten spielen. Das Bild konzentriert sich dabei auf ihre Verletzungen; sie sind sozusagen zerstörte Zeugen des großen Desasters.




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