Das Roulettespiel

Mondänes Roulette

Roulette symbolisiert natürlich wie kein anderes Spiel das wechselhafte Rad des Schicksals, das von Fortuna gedreht wird. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Roulette in der Kunst ikonografisch immer wieder gerne als Symbol für die Launenhaftigkeit des Glücks verwendet wird. Dazu kommt, dass trotz aller Theorien der Spieler keinerlei Einfluss auf das Ergebnis hat. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet allein der Zufall.

Daneben spielt man Roulette eigentlich immer in der mondänen Welt des Casinos. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Glücksspielen, die ja oft in fisteren verräucherten Kaschemmen stattfinden, ist Roulette mit Eleganz und Glamour verbunden. Natürlich wird Roulette auch aus Geldgier, dem Bedürfnis nach Spannung und Unterhaltung gespielt, dennoch daminiert hier mehr als bei anderen Spielen das Ambiente.




Fortunas Rad

Mittelalterliche Darstellung der Glücksgöttin Fortuna mit ihrem Rad des Schicksals, dem alle unterworfen sind - sogar Könige. Das Rad wurde sozusagen zum ikonografischen Urroulette.



Erste Formen

Eine englische Karikatur von 1782, auf der bereits eine frühe Form des Roulettespiels zu erkennen ist.



Mondänes Monte Carlo


Hier zwei Gemälde von Ende des 1900 Jahrhunderts. Jean-Georges Beraud: Das Casino von Monte Carlo (Rien ne va plus !) und Christian Ludwig Bokelmann: Monte Carlo. Bei beiden wird die Faszination für die mondäne Welt des Spielcasinos deutlich erkennbar.


Zwei zu etwa derselben Zeit entstandene Illustrationen zeigen dieselbe Perspektive und Faszination. Neben dem Glücksspiel faszinieren anscheinend vor allem die Damen in ihren eleganten Kostümen.



Ironische Ansichten

Bei all dieser Faszination für das Casino konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass einige Künstler auch einen kritischen oder ironischen Blick riskierten.



"Die Spielhölle" von dem Franzosen Jean Eugene Buland. Ein großartiges Beispiel des franzöischen Naturalismus. Buland zeigt hier keine mondäne Welt mit eleganten Frauen, sondern ein verqualmtes Zimmer mit einer reichlich seltsamen Mischung an Spielern.



Spieler im Casino con Monte Carlo von dem Französischen Künstler Georges Goursat, auch bekannt als Sem. Das Bild ist eine nette Karikatur auf Geldgier und Prunksucht der Casinobesucher. Ein Spieler türmt Gewinne vor sich, und auch die beliebten Hüte finden entsprechende Beachtung.



Spielsucht und Wahn

Bereits 1866 erschien "Der Spieler" von Fjodor Dostojewski, in die Spielsucht thematisiert wird. Das Casino wird dabei zu einem Ort düsterer Versuchung und Verderbnis. Hier das Cover einer russischen Ausgabe, auf dem immer noch deutlich die Verlockung des Glitzerparadieses zu erkennen ist.



Wesentlich deutlicher ist "Der Rouletttisch" (1903)von Edvard Munch. Hier ist das Casino ein wahrhaft teuflischer Ort, der alle in seinen Bann und damit ins Verderben reißt.



Moderne Ansichten

Das Interesse blieb auch in der modernen abstrakten Kunst erhalten. Dabei wurden jedoch symbolische und naturalistische Ansichten durch neue Interpretationen ersetzt. Wie beim Schachspiel auch rückt nun beim Roulette das symetrische Farbmuster des Spielfelds oder des Rads ins Visier.

Roulette (1915) von dem russischen Futuristen Vladimir Mayakovsky. Mayakovsky geht es hier um die Reduktion auf die einfachsten Dinge, die das Spiel ausmachen: Farben und Zahlen.



Roulette (1926) von dem französischen Kubisten Jean Metzinger. Metzinger produziert eine Art klassisches Stilleben mit Dinger um sich die Zeit zu vertreiben. Zwischen Musikinstrument, Teekanne und Haustier ist das Roulette mit Spieltuch an zentraler Stelle.



Roulette in modernem Design

Poster des Film "Die Spielhölle von Macao" (1939). Eine geheimnisvolle Frau und das Glücksrad des Roulette symbolisieren hier Anziehungskraft und Verderben des Glücksspiels.



Werbung für Las Vegas aus den Fünfziger Jahren. Hier ist Roulette nur ein Glücksspiel unter vielen. Im Vordergrund steht die Unterhaltung der Casinos mit den eleganten Damen.



Verführung und Risiko

Neben anderen Glücksspielen (besonders Poker) erfreute sich auch Roulette großer Beliebtheit bei Coverillustrationen von Pulp-Magazinen. Das Interessante dabei ist, die dominierende Rolle der Frauen, obwohl diese ja als Spielerinnen eine eher kleine Minderheit stellen. Man kann dies nur als eine neue Interpretation der guten alten Glücksfee Fortuna interpretieren. "Lady Luck" als ihre moderne, amerikanische Version animiert hier die Männer alles zu setzen, alles zu wagen.



"Winner Take All"(1959) von James McKimmey. Das Cover ist von dem amerikanischen Künstler Ernest Chiriaka. Es ist wohl glasklar was der Gewinner alles nehmen wird.



"Top of the Heap" (1959) von Erle Stanley Gardner unter dem Pseudonym of A.A. Fair. Das Cover ist von dem legendären Robert McGinnis. Eine Blondine, Rauch und falsche Diamanten, dazu passte nur Roulette.



Noch ein Cover von Robert McGinnis - er war einfach der beste in diesem Geschäft. "The Only Girl in Game" (1960) von John D. MacDonald. Und wenn sie die einzige Frau war, wird sie wohl auch dem Sieger zugefallen sein.



Devil's Caress (1960) von Della Wand. Dieses Cover ist von dem Amerikaner Robert Bonfils. Auch hier lockt die Schöne mit tiefem Dekolleté, verführerischem Blick und nicht zuletzt den Chips.





Action und Verführung

Das Spielcasino versprach Action, Spannung, Glamour und verführerische Frauen. Diese Verlockungen, die bereits in den Gemälden des 19. Jahrhunderts deutlich sind, werden in den Covern der Pulpmagazine der Fünfziger Jahre noch einmal verstärkt. Kein Wunder also, dass sich auch das Kino zunehmend dieser attraktiven Themen bediente. Das Spielcasino mit Roulette und schönen Frauen wurde deshalb auch gerne als Kulisse für Actionfilme benutzt.



Jeanne Moreau in und als "Die blonde Sünderin" (1962) - Orginaltitel "La Baie des Anges". Ein junger Mann erliegt hier der Spielsucht in Monte Carlo und nicht zuletzt den Reizen einer schönen Frau.



Ursula Andress in "Casino Royale" (1967). Die blonde Verführung auf dem Roulettetisch zwischen Chips und großen Geldscheinen. Das Actionkino der Sechziger Jahre.



"Cleopatra Jones" (1973) war ein so genannten blaxploitation action film, mit einer schönen, gefährlichen Geheimagentin. Dabei gehts um Drogen, nackte Haut, Action und eben auch ein Speilcasino.





Zurück zu Fortuna

Im Jahr 2001 erschien ertmals "Roulette" als eine der Superschurken bei DC-Comics. Ihr Casino ist eine Art Arena, in der gefangene Superhelden gegeneinander antreten müssen.



Sie hatte dann auch einen Auftritt in der TV-Serie Smallville.

Man kann dies ohne weiteres so interpretieren, dass das Roulette damit zu seinen Wurzeln, d.h. der Glücksgöttin Fortuna zurückgekehrt ist. Diese war ja auch kein Engel, sondern ein äußerst launenhaftes Weib, dem letzten Endes praktisch jeder zum Opfer fallen musste.









Neue und gebrauchte Tresore in München bei Tresore Deutschland GmbH